Ouzunkofte

Themenfelder

Wir folgen der deutschen Realwirtschaft in acht Feldern. Jedes Feld hat Fragen, die wir immer wieder stellen, und Quellen, die wir regelmäßig lesen. Was sich nicht belegen lässt, bleibt draußen, auch wenn es den Morgen füllen würde.

Industrie und Werftarbeit

Wie wir die Felder schneiden

Die acht Felder sind keine Ressorts mit eigenen Redaktionen. Sie sind eine Sortierung, damit eine Ausgabe nicht durcheinandergerät. An manchen Morgen füllt ein Feld drei Absätze, ein anderes keinen. Wir erfinden dann nichts, nur damit alle Fächer voll aussehen. Die Fragen in den Karten unten sind die, die wir an die Quellen stellen, nicht ein Versprechen, jeden Tag jede Frage zu beantworten.

Industrie, Energie, Mittelstand, Arbeit

Industrie & Produktion

Wir lesen Auftragseingang, Umsatz, Auslastung und Vorleistungslager, sobald Destatis die Reihen legt, und halten sie gegen Verbandsberichte und Quartalsmitteilungen. Die Fragen bleiben schlicht: Bewegt sich die Menge oder nur der Preis? Ist eine Schwäche ein Standort oder eine Sparte? Wo eine Revision die vorige Lesart kippt, schreiben wir die Revision, nicht die Dramatik. Geschäftsberichte großer Hersteller dienen uns als Gegenprobe, nicht als Pressetext.

Energie & Netze

Industrie strom- und gasseitig zu verstehen heißt, Umlagen, Netzentgelte und Engpässe zu lesen, nicht nur den Großhandelspreis des Vortags. Wir folgen Beschlüssen der Bundesnetzagentur, den Mitteilungen der Übertragungsnetzbetreiber und den statistischen Berichten zum Verbrauch. Gefragt wird, welche Last eine Regelung auf Betriebe legt und welche Frist wirklich gilt. Vorläufige Einspeise- oder Verbrauchsdaten tragen die Markierung „vorläufig“ im Satz.

Mittelstand & Finanzierung

Kreditvergabe, Bürgschaften, Zahlungsziele und die Stimmung in Familienunternehmen sind schwerer zu fassen als eine Produktionszahl. Wir stützen uns auf die Bundesbank, auf KfW-Veröffentlichungen, auf ifo-Umfragen und auf das, was Unternehmen in offenen Berichten selbst legen. Wir erfinden keine „typische Mittelstandsquote“. Wo nur eine Umfrage vorliegt, bleibt sie eine Umfrage, mit Stichprobe und Zeitraum.

Arbeitsmarkt & Tarifrunden

Beschäftigung, Unterbeschäftigung, offene Stellen und Kurzarbeit lesen wir vor allem über die Bundesagentur für Arbeit. Tarifverhandlungen nehmen wir über die Vertragsparteien und über bekannte Fristen auf, nicht über Flurfunk. Uns interessiert, welche Entgeltlinie in welche Kalkulation fällt und wann eine Friedenspflicht endet. Personelle Skandale um einzelne Vorstände gehören nicht in dieses Feld.

Zinsen, Handel, Bau, Haushalte

Geldpolitik & Zinsen

Beschlüsse, Protokolle und Projektionen der EZB lesen wir daraufhin, was sie für die Finanzierung deutscher Unternehmen, Haushalte und Kommunen bedeuten. Die Deutsche Bundesbank bleibt die erste Adresse für inländische Kredit- und Zinsreihen. Wir übersetzen keine Sitzung in ein Kurssignal. Wenn ein Institut eine Prognose ändert, steht der Name des Instituts vor der Zahl.

Außenhandel & Lieferketten

Ein- und Ausfuhr, Containerlagen, Zoll- und Sanktionsregeln treffen Häfen, Speditionen und die Industrie oft früher als die Binnenstatistik. Destatis, die Bundesbank und die Berichte der großen Häfen sind das Gerüst. Wir fragen, ob ein Engpass ein Schiff, eine Grenze oder ein Vorprodukt ist, und ob die Quelle eine Schätzung oder eine Zollzahl ist. Spekulation über Frachtraten ohne Beleg lassen wir stehen.

Bau & Immobilien

Genehmigungen, Fertigstellungen, Auftragsbestände und die Finanzierung von Wohn- und Wirtschaftsbau lesen wir in Destatis, in Berichten der Bundesbank und in den Veröffentlichungen der Verbände. Kommunale Haushaltspläne zeigen, wo öffentliche Bauherren tatsächlich Mittel einstellen. Wir bewerten keine einzelnen Objekte und geben keine Miet- oder Kaufempfehlung. Vorläufige Genehmigungszahlen bleiben vorläufig.

Öffentliche Haushalte

Bund, Länder und Kommunen sind Auftraggeber, Arbeitgeber und Regelsetzer. Wir lesen Haushaltspläne, Nachträge, Steuerschätzungen und die Mitteilungen des Stabilitätsrats, soweit sie offen liegen. Die Frage ist nicht, ob ein Haushalt „gut“ ist, sondern welche Ausgabe oder welche Sperre in die Realwirtschaft läuft. Kämmereien, die uns beziehen, sollen eine Formulierung finden, die einer Vorlage standhält.

Welche Quellen wir regelmäßig lesen

Das Gerüst sind offene, nachprüfbare Veröffentlichungen: Destatis, Deutsche Bundesbank, ifo-Institut, Bundesagentur für Arbeit, Bundesnetzagentur, Branchenverbände, Quartals- und Geschäftsberichte, kommunale Haushaltspläne. Dazu kommen Beschlüsse, die im Amtsblatt oder auf den Seiten der zuständigen Stelle liegen, und Tarifmitteilungen der Vertragsparteien.

Eine Pressemitteilung ist für uns ein Hinweis, dass ein Dokument erschienen sein könnte. Den Satz formulieren wir nach dem Dokument. Fehlt es, bleibt die Lücke stehen oder der Satz trägt den Vorbehalt, dass nur die Mitteilung vorliegt. So bleibt die Depesche ein Arbeitsblatt, kein Nachdruck.

Was wir bewusst auslassen

Börsliche Spekulation, Intraday-Bewegungen und das Nachzeichnen von Kursen gehören nicht in die Depesche. Dafür gibt es Handelsplätze und andere Blätter. Wir nennen einen Aktienkurs nur, wenn er für eine Unternehmensmeldung unvermeidlich ist, und dann als Tatsache der Meldung, nicht als Rat.

Persönliche Skandale, Gerüchte über Privatleben und der bloße Nachdruck von Pressemitteilungen ohne Prüfung lassen wir liegen. Eine Mitteilung, die nur Selbstbeschreibung ist, wird höchstens als Beleg dafür zitiert, was ein Haus über sich sagt. Unser Maß bleibt die prüfbare Quelle: Destatis, Deutsche Bundesbank, ifo-Institut, Bundesagentur für Arbeit, Bundesnetzagentur, Branchenverbände, Quartals- und Geschäftsberichte, kommunale Haushaltspläne.

Lager und Warenbewegung