Ouzunkofte

Wie wir arbeiten

Die Werkstatt hat keine Nachrichtenfabrik hinter sich. Jede Ausgabe entsteht aus gelesenen Quellen, einem Gegenlesen und der Bereitschaft, einen Satz zu streichen, der nur schön klingt. Hier steht, nach welchen Regeln wir das tun.

Archivkasten mit Unterlagen

Erst die Quelle, dann der Satz

Wir beginnen nicht mit einer These. Wir beginnen mit dem Dokument: einer Destatis-Tabelle, einem Bundesbank-Bericht, einem Beschluss, einem Geschäftsbericht, einem Haushaltsplan. Agenturmeldungen sind Hinweise darauf, dass etwas erschienen sein könnte. Den Satz formulieren wir erst, wenn die Originalquelle offenliegt oder ausdrücklich als noch nicht einsehbar gekennzeichnet ist.

Wo zwei seriöse Quellen voneinander abweichen, schreiben wir die Abweichung. Wir mitteln nicht und wählen nicht die Zahl, die besser zur Erzählung des Morgens passt. Fehlt eine Quelle, bleibt eine Lücke. Lücken sind Teil der Arbeit, nicht ein Makel, den man mit Füllsätzen zudeckt.

Schreibtisch bei der Quellenprüfung

Vier-Augen-Prinzip vor dem Versand

Vor 6:40 Uhr liest eine zweite Person im Kontor jede Ausgabe. Geprüft werden Zahlen gegen die Tabelle, Namen gegen das Dokument, Zeitangaben gegen die Uhr des Ereignisses und der Ton gegen die Regel, nichts zu dramatisieren. Erst danach geht der Brief hinaus.

Das Gegenlesen ist keine Höflichkeit. Es ist die Bedingung dafür, dass wir höchstens 300 Bezüge annehmen. Mehr Briefe würden bedeuten, dass nachts niemand mehr Zeit hat, eine Zahl noch einmal zu halten. Lieber eine Warteliste als ein Text, den nur eine Person gesehen hat.

Wie wir mit Prognosen umgehen

Prognosen fremder Institute geben wir als deren Prognosen wieder, mit Namen, Datum und, wo vorhanden, dem Intervall. Wir rechnen sie nicht in eine eigene Vorhersage um. Sätze wie „die Wirtschaft wird“ vermeiden wir, wenn nur ein Institut etwas erwartet.

Eigene Erwartungen formulieren wir selten und dann als Erwartung der Werkstatt, nicht als Tatsache. Szenarien in einem Dossier sind als Szenarien überschrieben. Wer aus einem Konjunktursatz eine Anlageentscheidung ableitet, tut das auf eigene Verantwortung; die Depesche ist dafür nicht geschrieben.

Korrekturen

Fehler gehören zum Handwerk, Verstecken nicht. Wenn uns ein sachlicher Irrtum auffällt oder gemeldet wird, korrigieren wir innerhalb von 24 Stunden. Die Korrektur geht an alle Bezüge derselben Ausgabe, mit Datum, kurzer Beschreibung des Fehlers und dem berichtigten Satz. Im Archiv tragen wir denselben Hinweis nach.

Schönheitsfehler der Sprache, die den Sinn nicht ändern, bessern wir still im Archiv. Alles, was eine Zahl, einen Namen, eine Frist oder eine Quelle betrifft, bleibt sichtbar. Wer uns einen Fehler schickt, bekommt eine Antwort, auch wenn sich der Hinweis als Missverständnis erweist.

Unabhängigkeit

Ouzunkofte schaltet keine Anzeigen, nimmt keine Sponsorenbeiträge an und setzt keine Partnerverweise. Die Werkstatt lebt ausschließlich vom Bezug der Morgendepesche, von Dossiers nach Maß und von Werkstattgesprächen. Bezahlte Texte, die als unabhängige Berichterstattung erscheinen sollen, lehnen wir ab, höflich und endgültig.

Gespräche mit Pressestellen führen wir, wenn sie eine Zahl oder eine Frist klären. Das Zitat einer Pressestelle kennzeichnen wir als solches. Ein Dossier, das ein Haus über die eigene Branche bestellt, bleibt ein Auftragsstück mit klarer Kennzeichnung gegenüber der Depesche; es fließt nicht still in die Morgenausgabe ein.

Umgang mit den Daten unserer Lesenden

Wir erheben so wenig wie möglich: Name, Anschrift, E-Mail, Zahlungsdaten, beim Hausbezug die Zahl der Lesenden. Die Anfrage auf dieser Website wird nicht auf einem Server gespeichert; das Formular bleibt im Browser und zeigt nach dem Absenden nur eine Dankeszeile. Es gibt keine Zählpixel in der Depesche und keine Analysewerkzeuge auf den Seiten.

Wie wir mit personenbezogenen Daten umgehen, steht vollständig in der Datenschutzerklärung. Wer Auskunft, Löschung oder Berichtigung verlangt, schreibt an hello@ouzunkofte.com. An Werktagen antworten wir innerhalb eines Tages.

Kontor der Werkstatt

Fehler, die wir schon gemacht haben

Eine Werkstatt, die behauptet, sie irre nie, wäre unglaubwürdig. Wir haben Sätze verschickt, in denen eine vorläufige Zahl wie eine endgültige klang, und Fristen, die um einen Tag verrutscht waren. Die Regel, die wir daraus gezogen haben, ist öffentlich und einfach: Jeder sachliche Fehler wird innerhalb von 24 Stunden benannt, berichtigt und im Archiv nachgetragen. Wir zählen uns die Fälle nicht als Trophäen vor und erfinden keine Anekdoten. Wer uns auf einen Irrtum hinweist, hilft der nächsten Ausgabe mehr als jeder glatte Satz.